Unterwegs mit der Kranführerin



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Unterwegs mit der Kranführerin Ein Job mit Aussicht

Publiziert am 17.05.2019

Tanja Eggimann, 39, ist eine von sechs Kranführerinnen und Kranenführern im Paketzentrum Härkingen. Täglich hievt sie unzählige tonnenschwere Container von A nach B, und das schon seit rund zehn Jahren. Wir haben sie bei ihrer Arbeit in luftigen Höhen begleitet.

Tanja Eggimann arbeitet seit 10 Jahren als Kranführerin im Paketzentrum Härkingen.

Wenn Tanja Eggimann im Paketzentrum Härkingen zur Arbeit erscheint, streift sie sich als erstes die gelbe Warnweste über. Dann bahnt sie sich an Containern vorbei den Weg über das Hofareal und klettert die metallene Leiter hoch zur ihrem «Büro». Auf rund zwei Quadratmetern findet sich alles, was die 39-Jährige für ihre Arbeit braucht. Ein agiler Sessel, je ein Joystick links und rechts, jede Menge Knöpfe und Schalter, sowie zwei Bildschirme. Die Heizung sorgt dafür, dass es auch während der Nachtschichten und zur kalten Jahreszeit gemütlich bleibt. Kaum schaltet sie das Funkgerät ein, ertönt es schon aus dem Radio: «Guten Morgen, Tanja!». Keine Minute später setzt Tanja Eggimann den 181 Tonnen schweren Kran in Bewegung. Via Bildschirm gehen die Instruktionen von der Disponentin in der Leitstelle ein. Wechselbehälter (kurz «WB») 162 muss vom Tragwagen zum Stellplatz Nr. 65. Ein paar Handbewegungen, der Arbeitsplatz bewegt sich nach vorne, nach links, eine kurze Drehung, nach unten, und schon manövriert die versierte Bernerin ihren für heute ersten Container vom Tragwagen auf den dafür vorgesehenen Abstellplatz.

Täglich manövriert sie tonnenschwere Container an ihren Bestimmungsort.

Arbeit nach Zahlen

«Ich arbeite eigentlich den ganzen Tag nach Zahlen», erklärt sie. Und genau das möge sie, «denn ich habe bei jeder Bewegung eine klare Aufgabe und ein klares Ziel». Monoton finde sie den Job deswegen nicht, denn kein Tag sei gleich wie der andere. Ihr sei einfach wichtig, dass sie bei ihrer Arbeit ausgelastet und zufrieden ist. Und ausgelastet ist sie fast immer, dem stetig wachsenden Paketaufkommen sei Dank.

Kühlen Kopf bewahren

Wie das halt so sei in der Logistik, käme die Arbeit in Wellen. «Mal hast du nicht so viel zu tun und plötzlich kommt alles auf einmal». Umso wichtiger sei es in ihrer Tätigkeit einen kühlen Kopf zu bewahren. «Hier oben nützt es dir nichts, dich beim Anblick von viel Arbeit stressen zu lassen». Etwas cool müsse man schon sein, sonst passieren Fehler, und diese wiederum sind oftmals ein Sicherheitsrisiko. «Einfach eins nach dem Anderen» lautet deshalb Tanja Eggimanns Devise. Sagts, und schwingt den Kran schon wieder in die entgegengesetzte Richtung. Wie beim Autofahren liegt die Herausforderung der Mitfahrerenden darin, sich – und vor allem den eigenen Gleichgewichtssinn – nicht allzu sehr von den teils unvorhergesehenen Manövern überraschen zu lassen. Ein wenig fühlt es sich an wie auf einer Bahn im Vergnügungspark. Passend dazu ist ein Werbeplakat für den Europapark in Sichtweite. «Uh nein, da wird mir schlecht!», beantwortet Eggimann die Frage, ob sie denn auch solche Abenteuer möge.

Sicherheit an erster Stelle

«Tanja, Auftrag bitte ablehnen» rauscht es plötzlich übers Radio. Sofort hält die Kranführerin inne, tippt aufs Display, und wartet ein paar Sekunden auf neue Anweisungen. Beinahe wären sich die zwei parallel arbeitenden Kräne zu nahe gekommen. Zwar hätte das System dies automatisch erkannt und die Geschwindigkeit reduziert, um jegliches Sicherheitsrisiko zu vermeiden. Solche unfreiwilligen Pauseneinlagen aber kosten Zeit, daher ist es effizienter, den Auftrag abzubrechen. Sicherheit ist sowieso ein grosses Thema bei Tanja Eggimanns Arbeit – vor allem, wenn die WB Gefahrgüter enthalten. «Dann muss ich darauf achten, dass die Rolltore beim Beladen auf der richtigen Seite sind, und nicht blockiert werden». Denn auf den Rangierzügen muss jedes Rolltor zugänglich sein. Hievt sie einen WB von oder auf einen Lastwagen, kommuniziert sie via Handzeichen mit dem Chauffeur. Diese würden sie wohl ab und zu um ihren Sitzplatz beneiden, schmunzelt sie. Vor allem wenn es draussen kalt und windig sei. Darin spiegle sich denn auch einer der grössten Vorteile an ihrem Arbeitsplatz: «Irgendwie arbeite ich drinnen, aber gleichzeitig auch draussen». Die gelb blühenden Rapsfelder am Horizont untermalen die Aussage auf fast schon kitschige Art und Weise.

Tanja Eggimann erweckt den Eindruck einer Kranführerin mit Leib und Seele. «Traumjob, das tönt so kitschig, findest du nicht?», lacht sie danach gefragt. Und fügt an «aber doch, ich würde schon sagen, dass ich den bestmöglichen Job für mich gefunden habe».

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