Kreislauflogistik in der Praxis Einblick von der SCORE!
An der diesjährigen SCORE! haben Alexander Sutter, CEO und Co-Founder der Marko Switzerland AG, und Christoph Gfeller, Geschäftsentwicklung Kreislaufwirtschaft, Post CH AG ihre Zusammenarbeit vorgestellt und gezeigt, wie Kreislauflogistik konkret umgesetzt werden kann. Im Fokus: Wie lassen sich nachhaltige Lösungen so gestalten, dass sie auch wirtschaftlich überzeugen und im operativen Alltag funktionieren?
Das Interesse war gross – viele Unternehmen stehen vor ähnlichen Herausforderungen: steigende Kosten, wachsender regulatorischer Druck und die Frage, wie zirkuläre Geschäftsmodelle effizient aufgebaut werden können.
Im folgenden Interview gibt Alexander Sutter Einblick in die Praxis und zeigt, welche Ansätze sich bewährt haben – und welchen konkreten Mehrwert Kreislauflogistik für Geschäftskunden bietet.
Marko.ch richtet sich konsequent an die Gen Z. Warum war euch von Anfang an klar, dass Logistik ein zentraler Bestandteil des Nutzererlebnisses sein muss − und kein reines Backend-Thema?
Alexander: Weil die «Daseinsberechtigung» von marko im Kern darin besteht, den Transaktionsprozess von A bis Z so einfach und bequem wie möglich zu gestalten – und da ist die Logistik zentral. In der Vergangenheit war im C2C vor allem die physische Übergabe der Artikel mit Zeit und Aufwand verbunden, und genau das galt es mit marko für unsere Nutzer zu minimieren.
Easy Shipping wurde bereits vor dem offiziellen Launch mit marko.ch gemeinsam entwickelt. Was war aus Sicht der Post der Schlüssel, um so früh und so eng in die Produktentwicklung einzusteigen?
Christoph: Um in der Marktplatzentwicklung eine Chance zu haben, braucht es Convenience beim Endkunden. Als marko zu uns kam und den Business Case präsentierte, klang das von der ersten Minute an sehr überzeugend. Wir sind ein Risiko eingegangen, haben aber zusammen mit marko an das Konzept geglaubt und sind so gut wie möglich auf ihre Wünsche eingegangen.
Secondhand ist oft mit Hürden verbunden. Welche konkreten Pain Points konntet ihr durch Easy Shipping im An- und Verkaufsprozess eliminieren?
Alexander: Unser Ziel war es, das unsere Nutzer zum Versenden der Artikel ihr Haus nicht verlassen müssen – und das haben wir zusammen mit der Post erreicht. Das fängt mit dem «Easy Shipping»-Brief an, der eine physische Klebeetikette und eine marko-Lasche enthält. Da viele junge Leute keinen Drucker mehr zu Hause haben, bringt ihnen die klassische digitale Etikette via PDF nichts. Und wenn das Paket versandbereit ist, kann man es einfach im Milchkasten deponieren und mit der marko-Lasche den Postboten signalisieren, dass sie es mitnehmen können. Somit ist man selbst auch maximal flexibel und muss nicht zu einem spezifischen Zeitpunkt zu Hause auf die Abholung warten.
Easy Shipping wird laufend weiterentwickelt. Wie stellt ihr sicher, dass sich der Service an den sich verändernden Bedürfnissen einer jungen, digitalen Zielgruppe orientiert?
Christoph: Indem wir uns zusammen mit marko in die Zielgruppe reinversetzen. Wie konsumiert die Gen Z heute Medien? Wie und wo kauft sie mit welchen Hilfsmitteln ein, was braucht sie nicht mehr, was vielleicht für ältere Leute wichtig ist? Du musst den Endkunden verstehen und danach handeln.
Mit über 300 000 Usern und Hunderttausenden Artikeln nach kurzer Zeit: Welche Rolle spielt das einfache und sichere Logistik-Setup für euer Wachstum und die Wiederkaufrate?
Alexander: Ich glaube, dass es essenziell zu unserem Wachstum beigetragen hat. Wer einmal mit Easy Shipping verkauft hat, merkt, wie einfach der Prozess ist, und inseriert schnell weitere Artikel. Und die Zahlen sprechen für sich – Nutzer können auch andere Versandarten wählen, trotzdem entscheiden sich über 90 Prozent aller Verkäufer für Easy Shipping.
Aus Sicht der Kreislaufwirtschaft: Warum sind Plattformen wie marko.ch und Partnerschaften wie diese entscheidend, um nachhaltige Geschäftsmodelle langfristig skalierbar zu machen?
Christoph: Eine kürzlich durch uns durchgeführte Marktstudie zeigt, dass bereits rund 75 Prozent der Schweizer Bevölkerung über Secondhandplattformen einkaufen. Die Anzahl der Einkäufe ist immer noch sehr gering. In Frankreich ist eine Secondhandplattform bereits zum grössten Modehändler aufgestiegen. Wir sind überzeugt, dass im Secondhand- oder Re-Commerce-Bereich grosses Potenzial liegt. Einerseits aus Sicht der Nachhaltigkeit, aber auch aus Sicht der Endkunden, die möglichst ohne Aufwand Services wünschen, die ein schnelles Kaufen und Verkaufen beinhalten. Wir als Post glauben an solche Geschäftsmodelle und auch daran, dass sie sich in den nächsten Jahren noch weiter positiv entwickeln werden.
Kreislauflogistik bietet konkrete Chancen, Nachhaltigkeit und wirtschaftlichen Nutzen miteinander zu verbinden. Entscheidend ist dabei, die richtigen Ansatzpunkte zu identifizieren und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Möchten Sie herausfinden, wie Kreislauflogistik in Ihrem Unternehmen konkret eingesetzt werden kann?