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Gesundheitslogistik «Wir liefern genau dann und dort, wo es gewünscht wird»

Publiziert am 16.07.2019

Nicht nur der Gesundheitsbereich an sich befindet sich im Wandel, sondern auch die Logistik dahinter. Wie sich die Post dafür wappnet, erklärt Thomas Wälchli, Leiter Geschäftsentwicklung und Branchenmanagement PostLogistics, im Interview.

Herr Wälchli, wie wird die Logistik im Gesundheitsbereich zukünftig aussehen?

Wegen der sich verändernden Demografie und der steigenden Gesundheitskosten wird sich die Versorgung immer mehr vom Spital ins Ambulante verschieben. Das hat natürlich auch einen Einfluss auf die Lieferketten und die Rolle der Logistik. Heute sehen wir bei den Spitälern eine sehr hohe Eigenleistung in der Logistik mit sehr individuellen Prozessen. Wir gehen davon aus, dass sich die Spitallandschaft in der Logistik den anderen Industrien anpassen wird. Das heisst, dass Zentralisierung und Standardisierung die Schlüsselkonzepte für die Zukunft sein werden.

Was bedeutet das im Detail?

Kleine, passgenaue Mengen an Material werden genau dann dorthin geliefert, wo sie gebraucht werden. Das heisst zum Beispiel, dass standardisierte Sets direkt an den Verwendungsort – beispielsweise ins Spital oder nach Hause – zugestellt werden.

Und da kommt die Post wie gerufen.

Genau. Die Post ist traditionell die Zustellerin auf der letzten Meile und Spezialistin für kleine Sendungsvolumen. Dank unserer jahrelangen Erfahrung im Gesundheitswesen verfügen wir über spezielle Kompetenzen und bieten zertifizierte Lösungen, auch für den Transport von Arzneimitteln und medizinischen Produkten.

Thomas Wälchli, Leiter Geschäftsentwicklung und Branchenmanagement bei PostLogistics

Was für Dienstleistungen sind das?

Beispielsweise bieten wir den temperaturgeführten Versand an. Das ist insbesondere für den Transport von pharmazeutischen Produkten nützlich. Dazu haben wir die Lösung ThermoCare entwickelt, bei der die in Mehrwegboxen verpackten Sendungen innerhalb eines definierten Temperaturbandes transportiert werden. Seit diesem Frühling können wir zudem die Temperatur im Inneren dieser Sendungen messen und nachweisen.

Können Sie das Temperaturmonitoring kurz erklären?

Ein Sensor misst die Temperatur in der Sendung. Die Daten werden bei der Paketübergabe automatisch ausgelesen und dem Versender zur Verfügung gestellt. Dieser kann auf unserer Plattform prüfen, ob die gewünschte Temperatur während des ganzen Transports eingehalten wurde. Die Daten werden in einer Blockchain abgelegt. Dadurch wird jegliche Manipulation der Daten verunmöglicht.

Temperaturmonitoring im Medikamentenversand: die Daten werden bei der Übergabe automatisch ausgelesen.

Gibt es Seitens der Post Dienstleistungen, die sich spezifisch an Spitäler richten?

Wir liefern mit unserem «Just-in-time»-Angebot genau dann und dort, wo es gewünscht wird. Materialien werden beispielsweise bis in den Materialschrank oder bis vor den OP geliefert. Mit Swiss-Express «Innight» Medica beliefern wir Spitäler mit notwendigen Implantaten über Nacht. Und mit dem von der Post betriebenen pharmaqualifizierten Autostore in Villmergen entlasten wir die Lagerräume der Spitäler.

Der Autostore in Villmergen ist…

… ein automatisches, temperiertes und von SwissMedic zugelassenes Lager für Arzneimittel und Medizinprodukte, zugeschnitten auf die Versorgung am Verwendungsort. Diese Autostore-Anlage ist das technische Herzstück einer ganzen logistischen Versorgungskette vom Hersteller bis zum Patienten.

Herzstück der logistischen Versorgungskette; der Autostore in Villmergen.

Was hebt die Post von anderen Dienstleistern ab?

Wie bieten eine weltweit einmalige, qualifizierte Transportlösung für Arzneimittel im Standard-Paketkanal. In der Schweiz sind wir aktuell die einzige Dienstleisterin, die Material verschiedenster Hersteller in sämtliche Abteilungen eines Spitals liefert. Täglich versorgen wir so mehr als ein Dutzend Kliniken. Unsere langjährige Erfahrung im Gesundheitswesen und die teilweise tiefe Integration in die Wertschöpfungsketten der Kunden ermöglichen es uns, unsere Kunden in der Weiterentwicklung ihrer Logistik zu unterstützen. Nebst den logistischen Kompetenzen setzt sich die Post intensiv mit neuen Technologien auseinander. Beispielsweise prüfen wir zurzeit, wie wir die Daten aus dem Temperaturmonitoring für neue Geschäftsmodelle verwenden können. Dem Informationsfluss wird eine immer höhere Bedeutung zukommen.

Können Sie das etwas genauer erklären?

Die Post transportiert von jeher nicht nur Waren, sondern auch Informationen. So ist die Post auch eine der Anbieterinnen für das elektronische Patientendossier. Vielerorts – auch im Gesundheitswesen – sind Informations- und Warenflüsse noch getrennte Welten, die aber in Zukunft immer stärker zusammenwachsen. Es wird künftig selbstverständlich sein, dass logistische Informationen – etwa woher ein bestimmtes Implantat stammt – den Patienten zugänglich sind, etwa im Patientendossier. Hier treffen sich Logistik und Patientensicherheit.

Welche Herausforderungen bringt die Logistik im Gesundheitsbereich mit sich?

Die Auflagen sind streng, es gilt laufend neue Regulationen zu berücksichtigen. Am 17. Mai 2020 tritt mit der MDR (Medical Device Regulation) eine neue Gesetzgebung für Medizinprodukte in Kraft. Wir haben die kommenden Änderungen auf dem Radar und entwickeln bereits MDR-konforme Logistiklösungen.

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